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Stoffwechsel

Zimt, Chrom und Berberin: Was Pflanzenstoffe beim Blutzucker leisten können – und was nicht

Kaum ein Gesundheitsthema wird so häufig mit Pflanzenkraft verknüpft wie der Blutzucker. Wir ordnen ein, welche Aussagen wissenschaftlich und rechtlich Bestand haben – und warum der Alltag am Ende mehr bewirkt als jede Kapsel.

Zimtstangen und gemahlener Zimt auf einem Holztisch
Zimt ist nicht gleich Zimt: Cassia-Zimt enthält deutlich mehr Cumarin als Ceylon-Zimt. Foto: Rens D / Unsplash

Was beim Blutzucker passiert

Nach jeder Mahlzeit steigt der Blutzucker an – das ist völlig normal. Die Kohlenhydrate aus Brot, Obst oder Nudeln werden zu Glukose abgebaut und gelangen ins Blut. Das Hormon Insulin sorgt anschließend dafür, dass die Glukose in die Körperzellen aufgenommen wird, wo sie als Energie dient. Bei gesunden Erwachsenen liegt der Nüchternblutzucker unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l).

Problematisch wird es, wenn die Zellen nicht mehr gut auf Insulin ansprechen oder die Bauchspeicheldrüse zu wenig davon bildet. Dann bleibt der Blutzucker dauerhaft erhöht. Genau hier setzen viele Produkte mit Pflanzenextrakten an – mit sehr unterschiedlicher Beweislage.

Chrom: die einzige zugelassene Angabe

Chrom ist ein Spurenelement, das in Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten und Fleisch vorkommt. Für Chrom ist in der EU die gesundheitsbezogene Angabe zugelassen, dass es zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels beiträgt.

Wichtig ist, was diese Formulierung bedeutet – und was nicht: Sie beschreibt die normale Funktion bei ausreichender Versorgung. Sie besagt nicht, dass zusätzliches Chrom erhöhte Werte senkt oder eine Behandlung ersetzt. Die EFSA hat 2014 übrigens keinen Referenzwert für die Chromzufuhr festgelegt, weil sich ein konkreter Bedarf nicht sicher ableiten lässt. Ein echter Mangel ist bei ausgewogener Ernährung selten.

Gut zu wissen

Nur Aussagen, die in der EU-Liste der zugelassenen Angaben stehen, dürfen auf Verpackungen und in der Werbung verwendet werden. Für Chrom, Zink oder Vitamin C gibt es solche Angaben – für Zimt, Berberin oder Gymnema zum Blutzucker bislang nicht.

Zimt: beliebt, aber mit Haken

Zimt taucht in vielen Blutzucker-Rezepturen auf. Einige Studien deuten auf einen leichten Effekt hin, andere finden keinen – die Ergebnisse sind uneinheitlich. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zum Blutzucker gibt es für Zimt bisher nicht.

Wer Zimt in größeren Mengen verwendet, sollte auf die Sorte achten. Der günstige Cassia-Zimt, der in Supermärkten am häufigsten verkauft wird, enthält deutlich mehr Cumarin als Ceylon-Zimt. Cumarin kann bei empfindlichen Menschen in höheren Mengen die Leber belasten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt eine tolerierbare tägliche Aufnahme von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Erwachsener mit 60 kg kann diesen Wert schon mit etwa 2 g Cassia-Zimt ausschöpfen – das ist knapp ein Teelöffel.

In Nahrungsergänzungsmitteln sind die Mengen meist deutlich kleiner. Wer aber zusätzlich regelmäßig Zimt zum Porridge oder zum Kaffee nimmt, sollte zu Ceylon-Zimt greifen.

Berberin und Gymnema

Berberin ist ein gelber Pflanzenstoff, der unter anderem in der Berberitze vorkommt. Er wurde in zahlreichen Studien untersucht, allerdings überwiegend in kleineren Untersuchungen. Berberin beeinflusst Enzyme in der Leber, über die auch viele Medikamente abgebaut werden. Deshalb sind Wechselwirkungen möglich. Wer Medikamente einnimmt, sollte Berberin nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden; in Schwangerschaft und Stillzeit ist es tabu.

Gymnema sylvestre ist eine Kletterpflanze aus Indien und Teil der ayurvedischen Tradition. Ihr Hindi-Name „Gurmar“ bedeutet sinngemäß „Zuckerzerstörer“: Kaut man die Blätter, schmeckt Süßes für eine Weile kaum noch süß. Für beide Pflanzen gilt: In der EU sind keine gesundheitsbezogenen Angaben zum Blutzucker zugelassen.

Was im Alltag wirklich hilft

Die gute Nachricht: Die wirksamsten Stellschrauben kosten nichts.

  • Ballaststoffe zuerst. Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn verlangsamen die Aufnahme von Zucker ins Blut. Für Beta-Glucane aus Hafer und Gerste ist sogar zugelassen, dass sie den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit verringern können.
  • Nach dem Essen bewegen. Schon ein Spaziergang von zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Essen lässt den Blutzucker in Studien weniger stark ansteigen, weil die Muskeln Glukose verbrauchen.
  • Zuckerhaltige Getränke meiden. Limonaden und Säfte lassen den Blutzucker besonders schnell steigen. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee sind die bessere Wahl.
  • Gut schlafen. Dauerhaft zu wenig Schlaf verschlechtert die Insulinempfindlichkeit.

Wann Sie zum Arzt sollten

Starker Durst, häufiges Wasserlassen, anhaltende Müdigkeit oder schlecht heilende Wunden können auf erhöhte Blutzuckerwerte hindeuten. Lassen Sie das bitte ärztlich abklären. Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up, bei dem auch der Blutzucker bestimmt wird.

Wer bereits Medikamente gegen erhöhten Blutzucker nimmt, sollte Nahrungsergänzungsmittel nur nach Rücksprache ergänzen – und verordnete Medikamente niemals eigenständig absetzen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • EU-Register der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben – ec.europa.eu
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Cumarin in Zimt – www.bfr.bund.de
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – www.efsa.europa.eu
  • diabinfo – Das Diabetesinformationsportal – www.diabinfo.de
  • gesund.bund.de: Gesundheits-Check-up – gesund.bund.de

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.